Zur Kirche

Wir befinden uns in einer Chorturm-Kirche. Schon beim betreten des Kirchenraumes können wir die klassizistischen Formen - das Kirchenschiff als rechteckiger Saal, den Chorraum mit annähernd quadratischem Grundriss, beides mit flacher Decke - erkennen:
Am 28. November 2010 wurde der neue Volksaltar und Ambo, beides aus einheimischen Natursteinen, eingeweiht. Darunter befinden sich die Reliquien der Hl. Christina von Bolsena und der Hl. Crescentia v. Kaufbeuren.
Der Innenraum wurde im Jahr 1916 vollständig umgestaltet. Neubarocke Akzente, wie Stuck und Freskenmalerei auf der Deckenfläche sowie eine Aufhellung der Wände verliehen dem Kirchenraum ein völlig neues Erscheinungsbild, das bis heute erhalten blieb. Die Decke des Kirchenschiffes wird von einem großen ovalen Gemälde beherrscht, der HIMMELFAHRT MARIENS, Werk des Münchner Malers Oswald Völkel, 1916.
In den vier Ecken befinden sich ovale Medaillons (alle Ausführungen von Oswald Völkl, München):
Die Heilige Elisabeth von Thüringen verteilt Brot unter den Armen
Christus empfängt die Heilige Agnes im Himmel
Der Heilige Aloysius empfängt die Hl. Kommunion
Heilige Familie
Die beiden Tondi oberhalb der Fenster zeigen die Darstellungen (ausgeführt von Oswald Völkl):
Die Heimkehr des verlorenen Sohnes
Der barmherzige Samariter
Der Augsburger Xaver Reitmaier gab den Fresken und dem gesamten Deckenfeld durch feine Stuckatur den vollendenden Rahmen (1916). In dem Tondo oberhalb des Chorbogens erkennen wir eine Ansicht der Pfarrkirche Waldberg umrahmt von Tituli mit der Inschrift ST. RADEGUND / DES WALDLANDS STERN. Dieses Gemälde wurde im Jahr 1975 ausgeführt von Otto Epple aus Türkheim:
Wir wenden uns nun dem Chorraum zu, dessen Mittelpunkt der Hochaltar bildet. Das Altarbild zeigt die Krönung Mariens (Werk des Augsburger Johann Evangelist Holzer, 1735, restauriert im Jahr 1975 von Severin Walter, Augsburg):
Links und rechts d. Bildes stehen zwei Holzfiguren, die Hl. Radegundis und den Hl. Antonius von Padua darstellend:
Der barocke Aufbau des Hochaltars stammt größtenteils aus der Pfarrkirche in Holzhausen bei Buchloe, deren Kirchenschiff nach einem Einsturz im Jahre 1969 abgebrochen und durch einen modernen Neubau ersetzt wurde. Der Altar wurde von Franz Hartmann aus Buchloe im Jahr 1975 restauriert und 1976 hier in der Pfarrkirche aufgestellt. Das Gemälde im oberen Teil des Hochaltares mit der Enthauptung Johannes des Täufers wurde ebenfalls aus der Pfarrkirche in Holzhausen übernommen:
Der kastenförmige Stipes des Hochaltares ist als Schrein für die Gebeine des Hl. Radegundis gestaltet. Die Gebeine der Radegundis wurden im Jahr 1691 erhoben, zusammengefügt und gefasst. Neufassungen und Ergänzungen erfolgten in den Jahren 1772 und 1916, zuletzt 1976 - 1977 im Kloster Oberschönenfeld.
Früher befand sich der Schrein im linken Seitenaltar. Im Jahr 1977 wurden die Gebeine in den neugeschaffenen Schrein im Stipes des neuen Hochaltares verlegt. Der neue Schrein wurde gefertigt von Anton Fischer (Waldberg) und Ludwig Schuster (Langenneufnach) nach einem Entwurf von Franz Bernhard Weißhaar aus München. In der Fensternische auf der linken Seite des Chorraumes ist ein großes oben rundbogenförmiges Ölgemälde Befreiung des Hl. Sebastian von Johann Baptist Dollenbacher (1858) zu sehen:
Auf der rechten Seite können wir ein Ölbild in ähnlichen Format, den Hl. Vitus darstellend, bewundern:
Wenden wir uns den beiden Seitenaltären zu, fällt unser Blick jeweils auf die Altarbilder, links die Erscheinung Mariens - eine Wiederholung des Marienbildes in der Wallfahrtskirche Caravaggio - und rechts die Hl. Anna. Beide Gemälde dürften um 1772 entstanden sein.
Geschnitzte Holzfiguren, farbig gefasst und teilvergoldet finden wir zunächst in der inneren Wölbung des Chorbogens, links die Regina Coeli, rechts den Hl. Josef:
Weitere eindrucksvolle Holzfiguren haben ihren Platz unter der Empore gefunden. So sehen wir auf der rechten Seite von vorne beginnend, den Hl. Ulrich (Bischof), die Hl. Barbara, die Hl. Katharina, den Hl. Konrad (Bischof):
Auf der linken Seite den Hl. Vitus und den Hl. Sebastian:
Die Darstellung des Bruder Konrad erkennen wir in der großen ungefassten Holzfigur in Mönchstracht neben dem Beichtstuhl:
Seit März 1998 können wir in unserer Kirche auch die Stationen des Leidens unseres Herrn Jesus Christus auf seinem Weg nach Golgotha bildhaft betrachten. Die von der Firma Harzenetter (Sontheim) wunderschön restaurierten und vom hiesigen Schreinermeister Hermann Fischer neu gerahmten Kreuzwegstationen im hinteren Teil des Kirchenschiffes, stammen größtenteils vom ehemaligen Kalvarienberg. Dieser war auf dem früheren Kirchen- und Friedhofshügel errichtet und 1876 eingeweiht worden. Im Jahr 1917 wurde der Kalvarienberg zum ersten Mal gründlich renoviert. 1974 mussten die gemauerten Stationen wegen einer Straßenbaumaßnahme abgerissen werden. Bis vor kurzem wurden sie im ehemaligen Pfarrhaus aufbewahrt. Vier Stationen des jetziges Kreuzweges wurden von der Firma Harzenetter neu angefertigt:
Station I - Jesus wird zum Tode verurteilt
Station II - Jesus nimmt das Kreuz auf sich
Station III - Jesus fällt das erste Mal
Station IV - Jesus begegnet seiner Mutter
Station V - Simon hilft Jesus das Kreuz tragen
Station VI - Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
Station VII - Jesus fällt das zweite Mal
Station VIII - Jesus begegnet den Frauen
Station IX - Jesus fällt das dritte Mal
Station X - Jesus wird seiner Kleider beraubt
Station XI - Jesus wird ans Kreuz genagelt
Station XII - Jesus stirbt am Kreuz
Station XIII - Jesus wird vom Kreuz genommen
Station XIV - Jesus wird ins Grab gelegt
Das Patrozinium unserer Kirche, das weithin bekannte Radegundisfest wird immer am vierten Sonntag nach Pfingsten gefeiert. Zahlreiche Wallfahrer kommen an diesem Tage nach Waldberg, um den Feierlichkeiten beizuwohnen. Nach dem Festgottesdienst findet bei schönem Wetter eine Prozession statt. Die Statue der Radegundis wird dabei von acht jungen Mädchen aus der Pfarrei, die in historische Tracht gekleidet sind, mitgetragen. Auch der anschließende Montag ist in der Pfarrei ein Feiertag mit Gottesdienst und Schlussandacht. Das Titularfest wird am Dreifaltigkeitsfest gefeiert.
Die Kirche wurde zuletzt renoviert im Jahre 2000 (Außenrenovierung) bis 2004 (Innenrenovierung mit Orgelrenovierung). Am 28. November 2010 wurde der neue Volksaltar und Ambo, beides aus einheimischen Naturstein, eingeweiht. Darunter befinden sich die Reliquien der Hl. Christina von Bolsena und der Hl. Crescentia von Kaufbeuren. Im Jahr 2012 feierten wir 200 Jahre (1812 - 2012), dass die Gebeine der Hl. Radegundis nach Waldberg überliefert worden sind.

An dieser Stelle sei noch einmal allen gedankt, die dazu durch Tatkraft, Gebet oder finanzielle Mittel beigetragen haben. Doch wir dürfen nicht vergessen, immer wieder auch unsere Kirche, die wir sind, in unserem Herzen zu renovieren und zu erneuern!

Kresimir Gagula, Pfarrer, im Juli 2013